Mir eh auch

Kolumnen Kurier Freizeit • 8. Oktober 2011
Es ist jetzt zehn Wochen her, dass mein Hund Barolo gestorben ist, es waren Wochen der Veränderung. Viele Gewohnheiten liefen plötzlich ins Leere. In der Früh aufzustehen und in die Küche zu gehen, um Tee aufzusetzen, war nicht mehr so wie früher, wenn der hechelnde Schwarze plötzlich dastand, sich zu beschweren schien, dass er nicht wenigstens eine halbe Stunde länger schlafen durfte, und mir trotzdem die Schnauze in die Kniekehle stupste, geht's dir gut, Alter, mir eh auch.

Danke an alle

News • 27. Juli 2011
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leserinnen und Leser der Kolumne über meinen Hund Barolo. Ich bin absolut überwältig, wie viele von Euch mir geschrieben haben, wie viele von Euch mir Trost zugesprochen haben und wie viele von Euch mir mit Ihren eigenen Geschichten und Bildern und Worten über den Abschied von meinem schönen Schwarzen weghelfen wollen.

Ich danke Euch dafür. Es berührt mich sehr und es freut mich auf schmerzliche Weise, dass die Erzählungen aus dem Leben des Barolo, aus meinem Leben Euch so ans Herz gewachsen waren.

Ich werde mich in den nächsten Wochen bei jedem von Euch persönlich bedanken. Ich bitte Euch aber um etwas Geduld, denn es sind viele hundert Briefe und Mails gekommen, die ich in den nächsten Wochen beantworten werde, und es kommen immer noch neue.

Ich danke Euch dafür. Das bedeutet mir viel.

Zum Abschied ein paar Fotos, die mir Tina Goebel geschickt hat, Dokumente eines Interviews, das wir im Café Prückel vor ein paar Jahren gemacht haben. Ich habe Herzklopfen gekriegt, als ich die Fotos sah, hier sind sie, ein Gruß von mir an Euch und an meinen Hund im Himmel.

Die letzte

Kolumnen Kurier Freizeit • 22. Juli 2011
Das ist die letzte Kolumne über meinen Hund Barolo. Der Barolo ist tot, gestorben nach einer Herzattacke in der vergangenen Woche, ich war bei ihm, als er seine letzten Atemzüge machte, hatte meine Hände in seinem nassen Fell, dann war er tot, und ich ging und heulte meiner Frau die Schulter nass.
 Als der Sommer kam, lag ich im Garten auf der Wiese und starrte in den Himmel. Der Himmel war schwarz, es war warm: die Wärme war von jener Qualität, die sanft und füllig, aber noch nicht feucht genug ist, um ins Schwüle zu kippen. Nach und nach traten einzelne Sterne hervor. Ich sah dabei zu, wie sie heller wurden, sich zu einem gemeinschaftlichen Schimmer verbündeten, und dazu hörte ich nur das Rauschen des warmen Windes in der Krone des Nussbaums, während ich darüber nachdachte, welche Musik jetzt passend wäre. 

Rednecks

Kolumnen Kurier Freizeit • 9. Juli 2011
Mein Hund Barolo und ich spazierten am Supermarkt vorbei, bis uns plötzlich zwei breitnackige Köter im Weg standen, die zarter besaitete Gemüter als ich bestimmt als Kampfhunde bezeichnen würden. Als ich nach dem anderen Ende der Leine schielte, um meine Bitte um Vorsicht adressieren zu können, sah ich, dass die Hunde frei waren. Irgendwer hatte sie vor dem Billa allein gelassen, und die Viecher gingen wie der Blitz auf den Barolo los, der quiekte wie eine Ente und sich sofort fallen ließ, und wenn ich nicht mit dem schweren Ende der Leine dazwischengegangen wäre, hätten die Köter meinen Barolo zum Lunch gefressen.

Lass mich rein

Kolumnen Kurier Freizeit • 1. Juli 2011
Manchmal ändert mein Hund Barolo seine Gewohnheiten von heute auf morgen. Zum Beispiel hat er während der letzten zehn Jahre keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Nacht draußen im Garten verbringen möchte - die Nacht ist dort heller, der Igel kann verbellt werden, der imaginäre Einbrecher abgewehrt, und wenn den Hund nach erfolgreich absolvierter R.E.M.-Phase das Bedürfnis überkommt, kann er aufstehen und, umwölkt von Buschwindröschen, in die Botanik pischen, um sich anschließend wohlig auf dem Rasen zu räkeln und auch noch das Fürzlein loszuwerden, der gerade noch gedrückt hat.

Ich saß in einem Gastgarten am Wienfluss und las in einem Buch. Es war ein gleichermaßen fesselndes wie irritierendes Buch, die Sprache von einem magischen Rhythmus, den ich erst einmal durchdringen, dem ich mich anvertrauen musste, und so saß ich in diesem Garten im Schatten, mein Hund Barolo hatte sich verkrochen, und ich war in besagtes Buch eingetaucht, kopfüber.


Schöner Krach

Kolumnen Kurier Freizeit • 17. Juni 2011
Mein Hund Barolo mag Lärm, oder sollte ich sagen, mein Hund Barolo macht Lärm? In diesen Wochen, in denen der meteorologische Sommer Augustschwüle verbreitet, hechelt mein Hund wie ein Dieselaggregat, und zwar solange, bis ihm einfällt, dass er jetzt schlafen könnte, dann höre ich das Pumpern, wenn er sich auf die Seite fallen lässt, von da an ist es unnatürlich ruhig. 
Als mein Hund Barolo und ich am letzten Wochenende das Schweizerhaus besuchten, im Anschluss an einen Spaziergang durch den luftgekühlten Prater, traten wir in den gut gefüllten Garten des Bierlokals ein - und es war wie ein Schritt in die Vergangenheit. Der Barolo erschrak förmlich vor der Erinnerung an die Wonnen, die ihm hier widerfahren waren - ich bemerkte, dass er plötzlich zu zittern begann - und augenblicklich anfing, die Tische, an denen wir vorbeizogen (er mich, um genau zu sein), zu scannen: das ist doch das Lokal mit den Knochen, dachte mein Hund unter heftiger Speichelentwicklung, und ich hatte augenblicklich das Bild vor Augen, als mein Hund die glücklichsten zwanzig Minuten seines Lebens verbrachte. 
Mit Interesse habe ich die Nachricht zur Kenntnis genommen, dass sich 80 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher für attraktiv halten. Wenn ich das Statement richtig interpretiere, bedeutet es, dass 80 Prozent unserer Bevölkerung sich selbst für attraktiv halten, dass die 80 Prozent also nicht das Ergebnis einer Schummelrechnung sind, a la ich kenne wen, der schaut gut aus, du kennst auch wen, der gut ausschaut, und zusammengerechnet ergibt das 80 Prozent der Bevölkerung.

Beim Hydranten

Kolumnen Kurier Freizeit • 27. Mai 2011
Im Prater geht mein Hund Barolo seiner Lieblingsbeschäftigung nach: er sucht den Hydranten beim Lusthaus auf und vergnügt sich mit Fließwasser. Als wir zuletzt nach einer hübschen Runde um das Lusthauswasser dort Station machten, legte sich mein Hund kraftsparend in die Pfütze, die den Hydranten umgibt, und ließ sich das Wasser von oben in den Schlund fließen.
Als er sich nach einer Ewigkeit wieder erhob, sah er aus, als hätte ihn ein altmodischer Wirt mit Mandelsplittern paniert. 
Als wir beim Tierarzt sitzen - Routineuntersuchung, ob mein Hund Barolo noch immer mit überirdischer Leidenschaft versucht, sich aus dem Wartezimmer der Tierklinik Strebersdorf zu befreien, wenn nötig nach Taliban-Manier; Befund: aber hallo - diskutieren gerade zwei ältere Paare die Röntgenaufnahmen ihrer Schildkröten, die heute zum „Durchleuchten" da waren.

Hey, Baghira

Kolumnen Kurier Freizeit • 13. Mai 2011
Eine Stimme aus einer anderen Zeit kriecht aus meinem Postkasten. „Hey", sagt die Stimme, und sie klingt auf merkwürdige Weise vertraut, wenn auch etwas heiser. 
„Weißt du was", sagt die Stimme. „Ich bin dein Schwesterchen."
Am Ostersonntag wollten mein Hund Barolo und ich früh aufstehen, um ins Grüne zu fahren. Uns stand der Sinn nach Tau an den Grashalmen und Dunst über den Wiesen. Da wir aber nicht daran gedacht hatten, den Wecker zu stellen, musste uns der Sound der Osterglocken aus dem Bett wehen, und als wir schließlich auf dem Roten Berg ankamen, um dort die Morgendämmerung nachzuholen, tummelten sich dort bereits zahlreiche Osterspaziergänger. Mir war's gleich, ich liebe die Biedermeierkulisse dieses Bergleins in Ober St. Veit zu jeder Tageszeit, aber mein Hund Barolo zeigte sich auf unserer Runde nicht so entspannt wie sonst, er schnupperte und witterte ohne Unterlass, er spähte hinter die Gebüsche und zog durchs Unterholz. 

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